Rohrdommel | Eurasian Bittern | Botaurus stellaris

Die Rohrdommel, oft auch „Große Rohrdommel“ genannt, hat sich perfekt an das Leben im Schilf angepasst. Im Seewinkel bzw. im Nationalpark Neusiedlersee findet sie noch genug Lebensraum direkt im Schilfgürtel oder in den sogenannten Schilfinseln, angrenzend an die Wiesen und Weiden.

Erscheinungsbild und Verhalten

Sie ist durch ihr äußeres Erscheinungsbild, dem hellbraunen Gefieder das durch dunkle Flecken und Striche durchzogen ist, perfekt getarnt. Bei Gefahr oder Störung streckt die Rohrdommel ihren Hals, Kopf und Schnabel kerzengerade nach oben und gleicht dann einem Pfahl (Pfahlstellung). Fühlt sich die Rohrdommel ihrem Feind jedoch überlegen, so breitet sie die Flügel aus, sträubt ihre Brustfedern und wirkt im gesamten Auftreten eher breit statt schmal. Die Rohrdommel wird ca. 75 cm hoch und ernährt sich hauptsächlich von Fischen, Amphibien und größeren Insekten.

Paarung

Ihr Paarungsruf gleicht einem brüllenden Ochsen, wodurch ihr in der Bevölkerung auch der Name „Moorochse“ verliehen wurde. Der Ruf, den man oft von Februar bis Juni hört dient dem Männchen dazu, die Weibchen zu ihrem Wohnplatz zu locken. Unter den Rohrdommeln herrscht die Vielweiberei, so dass auf ein Brutrevier, drei oder mehr Rohrdommeln kommen können.

Jungtiere

Die Nester, welche meist sternförmig angeordnet sind, schwimmen zwischen den Schilfhalmen und beherbergen meist 2-3 Küken. Die Jungen schlüpfen nach ca. 25 Tagen und sind Nesthocker. Bereits nach ca. 8 Tagen nehmen die Jungtiere bei drohender Gefahr die „Pfahlstellung“ ein. Im Alter von ca. 4-5 Wochen verlassen Sie ihr Nest, halten sich jedoch in dessen Umfeld auf. Fliegen können die Jungtiere nach ca. 8 Wochen. Sie hebt jedoch nur sehr selten zum Flug, der sehr träge und geräuschlos ist, ab. Meist bewegt sie sich langsam schreitend zwischen den Schilfhalmen auf Nahrungssuche.

Bedrohter Lebensraum

Ihr Lebensraum wird leider durch die Vernichtung großräumiger Schilfflächen und ungestörte Schilfränder (Entwässerung und Grundwasserabsenkung, Kultivierung, Störung durch Wassersport, etc.), sowie der Wasserverschmutzung sehr stark gefährdet. Hinzu kommt die natürliche Bestandsschwankung. In frostigen lang anhaltenden Wintern, können einzelne Populationen vollständig verschwinden.

Eine kleine Fotogeschichte

Im Jänner 2009 war ich unterwegs, um die Rohrdommel zu fotografieren. Tage zuvor habe ich bereits ihr Revier beobachtet und ihr Verhalten studiert. Also fuhr ich früh morgens los, um mich mit dem PKW als fahrendes Tarnversteck am Rande des Feldweges zu positionieren. Im Laufe des Tages tauchte alles Mögliche an Fotoobjekten auf, nur die Rohrdommel nicht. Nach ca. 7 Stunden Ansitz wollte ich schon aufgeben, als sich plötzlich am Schilfrand etwas bewegte. Endlich, sie war da!

Langsam und aufmerksam stocherte sie im abgeschnittenen Schilf nach Nahrung und bewegte sich schließlich Richtung Auto. Sie brauchte für die geschätzten 100 Meter ca. 1,5 Stunden. Mein Problem jedoch war, dass schön langsam die Sonne hinter dem Horizont verschwand. Die Rohrdommel kam so nahe, dass ich sogar die Autotür öffnen musste, da ich mit dem Teleobjektiv am Seitenspiegel anstand. Sie ließ sich weder durch die angehende Innenbeleuchtung noch durch die verursachten Geräusche stören und kam bis auf ca. 5-6 Meter an mich ran.

Dies war ein wunderbares Erlebnis, welches die 7 Stunden Ansitz schnell vergessen lies und für mich zu den Besonderheiten der Naturfotografie zählt.

Beste Grüsse,
Gerhard



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