Reisebericht – Workshop Norwegen zur Balzzeit

Reisebericht Wildlife Fotoworkshop
„Norwegen zur Balzzeit“

29.04. – 04.05.2014
Workshopleiter: Gerhard Kummer, www.focus-pannonia.at
Workshopguide: Floris Smeets, florissmeetsphotography.blogspot.no

Vorweg, Norwegen ist sicherlich eines der interessantesten Länder, welches ich je gesehen habe und zugleich ist es sehr bekannt für seine atemberaubenden Landschaften. In meinem Workshop „Norwegen zur Balzzeit“ ging es jedoch nicht um Landschaftsfotografie, sondern wie schon der Name vermuten lässt, um die Balz von Raufußhühner (Tetraoninae) und verschiedenen Eulenarten (Strigiformes), wie Bartkauz (Strix nebulosa nebulosa), Sperbereule (Surnia ulula) oder Raufußkauz (Aegolius funereus).

Erster Tag – Birkhuhn

Nachdem wir am Flughafen Wien eingecheckt hatten und uns im Flugzeug Richtung Oslo befanden, landeten wir nach 2 Stunden und 5 Minuten in Oslo. Dort angekommen, wurden wir bereits von unserem Guide Floris Smeets empfangen und zu unserem Basislager, eine kleine aber feine Pension, nach Åmot in Hedmark gebracht. Von dort aus, starteten wir täglich unsere Kurztrips zu den unterschiedlichen Beobachtungsplätzen. Während der Fahrten zu den Beobachtungsplätzen war es uns auch möglich andere typisch nordische Tierarten zu beobachten und zu fotografieren.

Zweiter Tag – Birkhuhn

Noch in der Nacht, um ca. 22.00 Uhr fuhren wir in Richtung Hochmoor, wo sich einer der grössten Balzplätze der Region mit den stärksten Birkhähnen befindet. Nach etwa 10 Minuten Fußmarsch durch den Wald und weiteren 10 Minuten durch das Hochmoor, kamen wir bei den Beobachtungszelten für die Birkhühner an. Nach einer kurzen kuscheligen Nacht in unseren Schlafsäcken, begann der Morgen bereits sehr früh. Der erste Hahn landete um ca. 4.00 Uhr morgens auf dem Balzplatz und kurz darauf folgten auch schon Weitere und das Spiel begann. Die Hähne kämpften um die besten Plätze, gaben dabei ihre Paarungslaute von sich und zeigten stolz ihr Gefieder.

In den frühen Morgenstunden begann es zu schneien und der Balzplatz verwandelte sich in eine atemberaubende Landschaft. Dabei gelang es uns die Streithähne in einer selten dargestellten Szenerie zu fotografieren. Nachdem auch der letzte Hahn den Balzplatz verlassen hatte, brachen wir ab und begaben uns zu unserer Pension zurück.

Da es auch in Norwegen heuer um ca. 2-3 Wochen früher warm wurde, war der Weg durch das Moor sehr beschwerlich und wir mussten – jetzt bitte nicht lachen – Schneeschuhe anlegen, um zu den Beobachtungszelten zu gelangen. Auf dem Rückweg zum Auto war es noch schlechter als am Abend zuvor und wir sanken trotz Schneeschuhe sehr tief im Moor ein. Also beschlossen wir, uns am zweiten Tag nicht zu den Birkhühnern zu begeben, sondern unser Glück beim Bartkauz zu versuchen.

Dritter Tag – Bartkauz

Nach einer kurzen Fahrt kamen wir im Jagdrevier des Bartkauz an und konnten nach einem kurzen Fußmarsch durch den Wald bereits dessen Nest lokalisieren. Nach ein paar Aufnahmen versuchten wir das Männchen zu finden, um es zu fotografieren. Die suche gestaltete sich äusserst schwierig, da der Bartkauz tagsüber schläft und nur los fliegt, wenn er eine Maus hört. Dieses Verhalten kann er sich leisten, weil er einer der effektivsten Jäger unter den Eulen ist. Im Laufe des Tages konnten wir das Männchen noch bei verschiedenen Aktivitäten beobachten und fotografieren.

Vierter Tag – Auerhuhn & Co

Am dritten Tag, welcher schon sehr zeitig begann, begaben wir uns zum Balzplatz des Auerhuhnes. Aufgrund der warmen Witterung und des vorgelagerten Frühlings kam der König – so nennt man den Hahn der die Hennen deckt – aber nicht mehr auf seine Spielwiese und so konnten wir am Rande nur noch die Weibchen, welche Kieselsteine suchten fotografieren. Die Hennen nehmen die Kieselsteine auf um an Kalzium zu gelangen, welches für die Produktion der Eier förderlich ist.

Danach fuhren wir zurück zur Pension, während uns noch eine kleine Gruppe Elche über den Weg lief und dem Klick-Geräusch der Kameras strotzte.

Nach einer kurzen Absprache mit unserem Guide, beschlossen er und ich die Zelte bei den Birkhühnern auf die andere Moorseite zu stellen, so das wir das eigentliche Hochmoor mit unseren schweren Rucksäcken nicht durchqueren mussten. Dadurch konnten wir die Birkhühner zwar trockenen Fusses, aber im Gegenlicht, welches sehr ansprechend war, fotografieren.

Am Nachmittag stellten wir die Zelte um und begaben uns nach getaner Arbeit zu einem Fischadlerpärchen.

 
Floris beim Zelte umstellen
Floris beim Zelte umstellen
 

Die Fischadler konnten wir bei verschiedenen Aktivitäten beobachten und fotografieren und Floris, unserem Guide, ist es gelungen den fehlenden Auerhahn durch ein mindestens genauso spektakuläres Motiv zu ersetzen. Bei den Adlern spielten wir uns bis Sonnenuntergang und fuhren anschliessend in die Pension zurück, um das Abendessen zu uns zu nehmen.

Nach einer kurzen Relaxphase ging es noch in der Nacht, mit einer Stirnlampe bewaffnet, zurück zum Birkhuhnbalzplatz. Die Nacht im Schlafsack war relativ kurz und bereits sehr zeitig in der Früh begann das Spektakel der Birkhühner. Wir konnten auch mehrere Paarungen beobachten, zum fotografieren war es zu diesem Zeitpunkt allerdings noch zu dunkel. Als es dann aber endlich heller wurde und die Sonne vor uns aufging und den Spielplatz in ein gewaltiges Licht tauchte, gelangen uns atemberaubende Gegenlichtaufnahmen. An dieser Stelle will ich Floris recht herzlich danken, denn ohne ihn wären diese Bilder nicht möglich gewesen.

Fünfter Tag – Eulen

Da, wie bereits oben erwähnt, das Fotografieren vom Auerhuhn in der gewünschten Form, aufgrund der Witterung nicht mehr möglich war, zog Floris ein weiteres Ass aus dem Ärmel und schlug vor, dass wir versuchen könnten die Sperbereule in ihrem Jagdrevier zu fotografieren. Auch dieses Vorhaben war ein toller Erfolg und wurde mit einzigartigen Bildern belohnt.

Es gelang uns nicht nur die Sperbereule zu fotografieren, sondern auch einen Raufußkauz in seiner Baumhöhle, nebenbei als besonderes Highlight eine Waldschnepfe und eine Auerhenne am Wegesrand.

Anschliessen ließen wir den Tag mit einem kalten, aber ansprechenden Sonnenuntergang ausklingen und fuhren zurück zu unserem Stützpunkt.

Sechster Tag

Am nächsten Tag sehr zeitig in der Früh packten wir unsere Koffer und fuhren los in Richtung Flughafen. Auf halbem Weg machten wir noch einmal Stopp und versuchten ein letztes mal einen Bartkauz ausfindig zu machen und zu fotografieren. Aber wie das Leben eines Wildlife Fotografen eben so ist, gingen wir an diesem Vormittag leider leer aus. Ich bin mir aber ganz sicher, dass die perfekt getarnte Eule uns bestimmt beobachtete und sich wahrscheinlich dachte, was machen wohl diese Verrückten mit ihren langen Rohren in meinem Revier.

Fazit

Der Workshop war ein riesen Erfolg. Die Teilnehmer und auch wir hatten sehr viel Spaß, Natur pur und dank Floris Smeets immer eine atemberaubende Kulisse mit einzigartigen Motiven und Szenen. Durch seine Kenntnis war es uns auch möglich viele Arten mehr zu fotografieren, als ursprünglich vorgesehen . Dadurch war schnell vergessen, dass uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte und wir den Auerhahn nicht zu Gesicht bekamen.

Workshop

An all jene, bei denen ich die Reiselust, das Fotofieber und den Wunsch für das Fotografieren von Raufußhühnern wecken konnte, mein nächster Workshop „Norwegen zur Balzzeit“ mit Floris Smeets findet vom 20. – 26. April 2015 statt. Durch die vorgelagerte Zeit, wird es uns möglich sein auch das Auerhuhn ansprechend auf seinem Balzplatz zu fotografieren, auch wenn sich der liebe Wettergott wieder einfallen lässt den Frühling früher beginnen zu lassen.

Für alle Fotografen, welche speziell die verschiedenen Eulenarten fotografieren wollen, gibt es einen eigenen Workshop „Norwegen´s lautlose Jäger“ mit Floris Smeets, vom 08. – 14. Juni 2015.



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