Mit Wasservögeln auf Tuchfühlung …


Schwimmversteck – Mit Wasservögeln auf Tuchfühlung …

Es gibt in der Natur- bzw. Tierfotografie nichts schöneres, als mit den Tieren auf Tuchfühlung zu gehen und in deren Geschehen einzutauchen. Bei Säugetieren oder Landvögeln, ist dieses Vorhaben kein Problem. Nur wie ist es bei Wasservögeln? Nach langem Überlegen war die Idee eines schwimmenden Tarnversteckes geboren.

Täglich beobachtete ich das Brutgeschehen von Haubentauchern, Zwergtauchern, Blässrallen und Co. Mein Wunsch war es dabei, mit diesen Tieren auf Augenhöhe zu kommen und gleichzeitig ihrem Geschehen näher zu kommen.

Vorteile des Schwimmverstecks

Einer der grössten Vorteile des schwimmenden Tarnversteckes ist es, sich ruhig und ganz langsam IN (nicht auf!) dem Gewässer zu bewegen und so insbesondere Wasservögeln sehr nahe zu kommen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man aufgrund der vollen Beweglichkeit des Schwimmversteckes sich jederzeit mit Lichteinfall und Hintergrund spielen und so interessante Bildaussagen erzeugen kann.

Was aber bei dieser Art der Tarnung unschlagbar ist, ist der niedrige Kamerastandpunkt in Bezug auf das Motiv. Reflexionen des Vogels im Wasser und die auf “Augenhöhe” des Tieres ausgerichtete Kamera ermöglichen ungewöhnliche Bilder, ohne Störungen zu erzeugen, denn man ist mittendrin im Geschehen.

Idee & Umsetzung

Nach langen Überlegungen und einigen Skizzen, kam ich zum Entschluss, dass mein schwimmendes Versteck breit und hoch genug sein muss um sich darin auch einen ganzen Tag lang bewegen zu können. Es soll rundum einen Blickschutz und ein Dach haben, blickdichte Öffnungen zur Belüftung und Rundumsicht, sowie Aufnahmen für zusätzliche Ausrüstungsgegenstände, wie Konverter, Akkus, Speicherkarten und eventuell eine zweite Optik.

Als Schwimmkörper dienen mir PVC Rohre (Abflussrohre) in der Länge von 1,5 m und einem Durchmesser von 16 cm, welche an beiden Enden mit den passenden Rohrdeckeln verschlossen sind. Diese Rohre haben auf einem Meter einen Auftrieb von 32,8 kg. Somit trägt das Schwimmversteck ein Gewicht von insgesamt 98,4 kg. Es ist also genügend Reserve vorhanden, um sich darauf auch hin und wieder abzustützen.

Auf diese Schwimmkörper habe ich Dachlatten verschraubt um so die Basis für die Verbindungsplatte, auf der sich auch der Stativkopf befindet, zu schaffen. Zur besseren Stabilität hat mir ein befreundeter Schlosser   Aluminiumplatten mit je 4 Gewindestangen zur Verbindung zwischen Schwimmkörper und Verbindungsplatte gefertigt.

Die Verbindungsplatte, welche die beiden Schwimmkörper stabilisiert und die Basis für den Einwegeneiger sowie die Kamera bildet, ist eine Vollholzplatte im Format 100 x 35 cm, welche durch Flügelmuttern an den Dachlatten und somit den Schwimmkörpern fixiert wird. Die Flügelmuttern haben auch den Vorteil, dass das Versteck jederzeit leicht zusammen und auseinander gebaut werden kann. In die Dachlatten habe ich je 3 Stück 9 mm Löcher gebohrt, wo die Fiberglasgestänge eingesteckt werden.

Als Zelt hat meine Frau einen stärkeren Stoff massgeschneidert zusammen genäht, mit einem Objektivtunnel und einem rückwärtigen Eingang versehen und Blickschlitze mit Fliegengitter vernäht. Vielen Dank noch mal auf diesem Wege! Als Abschluss haben wir den Stoff mit Stofffarben im Camouflage Design bemalt.

Die Stofffarben sind abschliessend gebügelt worden, wodurch sie auch Wasserfest sind. Die Rohre, die Aluminiumplatten und die Holzplatten habe ich noch mit einer wasserfesten schwarzen Farbe bemalt, so dass das Versteck nicht nur schöner aussieht, sondern auch witterungsbeständig ist.

Nachträglich habe ich mittels Klammern einen Glättverschluss seitlich an den Dachlatten angebracht und das Gegenstück wurde am Zelt vernäht, wodurch das Zelt fest mit dem Schwimmkörper verbunden werden kann und troztdem abnehmbar ist.

Aufbau

Das Schwimmversteck lässt sich aufgrund der Flügelmuttern und der gesteckten Fiberglasgestänge in weniger als 10 Minuten aufbauen. Die Kamera sollte noch auf trockenem Boden montiert und auf dem Einwegeschwenker ausgewogen werden.

Einsatzmöglichkeiten

Natürlich müssen wir uns Gedanken darüber machen, wo ein solches Versteck sinnvoll zum Einsatz kommen kann. Prinzipiell kann man dieses auf jedem See, Teich oder Weiher, wo Schwimmen erlaubt ist, einsetzen. Zu beachten ist dabei lediglich, dass dieses Gewässer am Rand nicht zu tief ist und einem das Wasser nicht über die Watthose ins innere läuft.

Materialliste

  • 2 x PVC Rohre mit 2m Länge (diese habe ich auf 1,5m gekürzt, um das Versteck auch verladen zu können),
  • 2 x PVC Rohr-Umkehrstück,
  • 4 x Verschlussdeckeln,
  • 2 x Dachlatten mit je 1,3m Länge,
  • 6 x M10 Schrauben mit ca. 5cm Länge,
  • 4 x M10 Schrauben mit ca. 10 cm Länge,
  • 6 x M10 Muttern mit Selbstsicherung,
  • 8 x M10 Flügelmuttern,
  • 28 x M10 Beilagscheiben,
  • 3 x Fieberglasgestänge (Zeltbau),
  • ca. 4m Stoff, Stofffarben,
  • 1Kg wasserfeste schwarze Farbe,
  • 1m2 Fliegengitter,
  • Vollholzplatte mit 1m x 35 o. 40cm


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