Ein Leben im Röhricht

Die Rohrweihe – ein imposanter Greif

Greifvögel zu fotografieren, ist für mich eine der interessantesten und zugleich aufregendsten Aufgaben in der Naturfotografie. Da der Neusiedlersee mit seinen umliegenden Lacken und weitläufigen Schilfgebieten direkt vor meiner Haustüre liegt, zählen die Rohrweihen (Circus aeruginosus) zu den am häufigsten von mir fotografierten Greife.

Beobachtungen

Die Rohrweihe kann man in fast ganz Europa beobachten. Ausnahmen bilden dabei Island, Irland und Nordskandinavien. Sie gehören zu den Zugvögeln und sind von März bis September bei uns zu beobachten. Danach ziehen sie in ihr Winterquartier, welches hauptsächlich in Zentralafrika liegt. Einige „hartgesottene“ überwintern jedoch auch in Südfrankreich und Spanien.

Neben der Rohrweihe gibt es in unseren Breiten auch die Wiesenweihe (Circus pygargus) und die Kornweihe (Circus cyaneus). Die Wiesenweihe ist eine bei uns sehr seltene Weihe und ebenfalls ein brütender Sommergast, wobei die Kornweihe ein reiner Wintergast ist und die Wiesenweihe fast Hand in Hand beim Zug ablöst.

Nach starken Bestandseinbußen infolge von Verfolgung und Lebensraumzerstörung, wächst die Rohrweihenpopulation seit einigen Jahren wieder stetig an. Die Rohrweihe findet man häufig, wie ihr Name schon sagt, in ausgedehnten Schilflandschaften an Seen und Flüssen, welche den typischen Lebensraum für diese Greife bilden. Jagdverbot, Rückgang der Pestizidbelastung und Schutz ihres Lebensraums führten zu einer Ausweitung der Populationen, wodurch man heute Rohrweihen auch immer öfter zwischen Raps- und Maisfeldern, in Entwässerungsgräben mit Schilfbewuchs, brüten sieht. Teiche, Seen, Verlandungszonen und Moore werden von ihnen bevorzugt als Jagdgebiet genutzt.

Aussehen

Mit einer Länge von ca. 48-62 cm ist die Rohrweihe etwa so groß wie ein Mäusebussard, jedoch schlanker, mit schmaleren Flügeln und längerem Schwanz. Die eleganten Flieger der offenen Landschaft erreichen eine Flügelspannweite von ca. 140 cm und ein Gewicht von 540-740 Gramm. Das Männchen der Rohrweihe hat einen hellen Kopf, einen rostbraunen Rücken und Bauch, die Armschwingen sind silbergrau, wobei die Flügelspitzen schwarz sind und der lange gerade Schwanz ist ebenfalls Silbergrau. Das Weibchen ist wie bei den meisten Greifen größer und schwerer als das Männchen, hat einen cremefarbenen Kopf und Kehlfleck, ist durchgehend dunkelbraun gefärbt und hat cremefarbene Flecken auf den Flügeln, einen braunen Bauch und gelbe Füsse.

Nahrung

Zur Hauptbeute zählen Singvögel, Blässrallen, Enten und Haubentaucher, besonders aber deren Nachwuchs. Die Eier ab Elsterneiergröße werden ebenfalls erbeutet. Neben Vögel ergreifen Rohrweihen auch Kleinsäuger wie Mäuse, junge Kaninchen und in äußerst seltenen Fällen auch Hasen, Reptilien, Amphibien und Fische. In mäusereichen Jahren, kann der Nahrungshauptanteil an Vögeln in der Nahrung, von 80% auf 20% zurückgehen.

Fortpflanzung und Aufzucht

In Mitteleuropa kehren die Greife Ende März, Anfang April aus dem Winterquartier zurück und beginnen gleich mit der Balz, wobei die Männchen spektakuläre Balzflüge ausführen, welche genauso beeindruckend wie die Flugvorführungen der jungen Rohrweihen sind. Sie kommen dann aus großer Höhe im Sturzflug gemeinsam angeflogen. Rohrweihen brüten im Alter von zwei oder drei Jahren zum ersten Mal und führen eine monogame Saisonehe. Hin und wieder gibt es auch ein Nachgelege mit bis zu 5 Eiern. Manchmal haben die Männchen auch mehrere Weibchen, welche sie beim Brutgeschäft betreuen. Legebeginn ist meist Ende April, Anfang Mai und das Gelege besteht meistens aus 4-5 glanzlos weißen oder bläulich-weiß gefleckten Eiern. Das Weibchen legt die rundlich ovalen Eier in einem Abstand von 2 bis 3 Tagen und beginnt mit der Bebrütung ab dem 1. oder 2. Ei. Die Jungen schlüpfen dann nach 31 bis 36 Tagen pro Ei asynchron. Die Nahrung bringt nach dem Ausschlüpfen der Jungen ausschließlich das Männchen herbei und das Weibchen füttert. Später, wenn die Jungen nach ca. 26 bis 30 Tagen das Nest verlassen und ihre ersten Flugversuche starten, jedoch in Nestnähe im dichten Schilf bleiben, jagt auch das Weibchen. Mit 38 bis 40 Tagen fliegen sie dann frühestens in Nestnähe und betteln die Eltern noch bis zu drei Wochen um Nahrung an. Erst nach ca. 8 Wochen sind die jungen Rohrweihen voll flugfähig und selbständig.

Nester

Die meisten Nester werden im dichten Schilf oder an Entwässerungsgräben direkt über Wasser gebaut. Hin und wieder findet man diese jedoch auch im Raps oder Getreidefeld, sowie auf ausgedehnten Wiesen- oder Brachflächen. Der Unterbau des Nestes besteht aus Altschilf und aus Reisig, die Nestmulde wird dabei aus feinerem Material geformt. Den Großteil der Arbeit beim Nestbau übernimmt das Weibchen, das Männchen bringt aber Nistmaterial.

Lebenserwartung

Die Sterblichkeit der jungen Rohrweihen beträgt im ersten Lebensjahr ca. 50%, in späteren Jahren geht diese auf ca. 30% zurück. Der älteste Ringvogel in Mitteleuropa war 16 Jahre und 8 Monate alt.

Fotografieren

Die besten Chancen, Rohrweihen erfolgreich zu fotografieren, erreicht man als Naturfotograf, wie bei jeder anderen Vogelart, mit langen Brennweiten ab 500 mm, schnellen Kameras mit Spot-Messung und guter ISO Eigenschaft und einem stabilen Stativ, idealerweise mit einem Teleschwenker. Am besten eignen sich die frühen Morgen- und die späten Abendstunden, da sonst das Gefieder zu schnell überbelichtet wird. Ausserdem sind zu dieser Zeit die Weihen am aktivsten.



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